Das erste mal Office
Montag, 6. Juni
Voller Vorfreude wache ich viel zu früh auf, ab 5:15 Uhr kann ich nicht mehr schlafen, gedanklich bin ich schon im Office.
Ich checke Google Maps, 20min bis zur Arbeit, perfekt!
Frühstück, anziehen, los. Doch halt – das Hemd sieht ja aus wie Sau, Falten über Falten … ganz vergessen, es war ja im Koffer. Also schnell noch das „Iron“ ausprobieren – geklappt, faltenfrei.
Es ist 08:15 als ich das Hotel verlasse und … ich falle fast um vor Hitze, habe ganz vergessen den Wetterbericht zu prüfen – bei diesen Tiefkühlklimatisierten Räumen hat man gar keinen Bezug zur Außenwelt.
Nächste Erkenntniss, ich hätte auch noch einmal Google Maps bzw. die zeitliche Entwicklung der Route im Blick behalten sollen. Ein roter Haufen und ganze 40min bis zum Büro. Dann mal schnell los!

Um 8:58 Uhr komme ich ganz genau passend am Büro an.
Während ich meine Tasche aus dem Auto hole entdecke ich Ed, meinen neunen Manager, wie es jetzt so schön heißt. Er sitzt in seinem PickUp, ein Meeting an seinem Smartphone verfolgend und hat auf mich gewartet. Er steigt freudig aus und begrüßt mich wieder freundlichst, diesmal mit den Worten „Welcome to America!“.
Beim Betreten des Gebäudes werde ich direkt von Joe in Empfang genommen, der sofort wissen will, ob das Auto top ist, was ich vermisse und vieles, vieles mehr. Eine neue Karte habe ich auch direkt in der Hand, awesome!
Ed nimmt mich mit hoch ins Teambüro, auf dem Weg dorthin begegnen wir ein, zwei Kollegen, ansonsten ist das Büro wieder äußerst leer. Manu, ein Kollege in Eds Team, ist auch im Büro – die zwei haben extra einen Arbeitsplatz für mich aufgebaut und die Teambox gereinigt. Auch das Laborequipment ist schon da und steht bereit, in unter 60min habe ich mein Setup am Laufen, Rekord! Den Rest des Tages werde ich, nicht besonders spannend, mit Toolchainupdate etc. verbringen.
Zum Lunch hingegen läd Ed uns ein, es gibt asiatisch (es war eher klassisch chinesisch, doch welcher genauen Spezialisierung sich das Restaurant jetzt verschrieben hat, stand nirgends – ist letztlich aber auch egal, es war äußerst). Auf dem Hin- und Rückweg fahre ich beim Manu mit und wir unterhalten uns gut und ich bekomme nebenbei die Lunchgewohnheiten des Teams beigebracht.
Da bei Feierabend die Rückfahrt zum Hotel noch länger dauern soll als die Hinfahrt, beschließe ich, mir vorher noch ein neues USB-Netzteil zu kaufen, damit auch auch ohne Umstecker das Handy laden kann. Da der nächstgelegene Laden ein großer Target ist, und der bestimmt auch eine Elektronikecke hat, steure ich den Laden an.
Nach kurzem Suchen finde ich die Wand voller TVs und unweit dessen die Regale mit Smartphonezubehör. Das ist nicht nur die passenden Regal, sondern gleich auch noch das 1. Erlebnis der amerikanischen Kultur mache, ahne ich da noch nicht.
Denn – bevor ich überhaupt einen Blick auf die Netzteile werfen kann begrüßt mich Jim, der vermutlich gar nicht Jim heißt, mich aber so überschwänglich und herzlich danach fragt, was ich denn Suche, dass ich total perplex dastehe.
Einen Moment später habe ich mich wieder gefangen und erzähle ihm, dass ich auf der Suche nach einem USB-Netzteil, möglichst als USB-C Steckernetzteil wäre. Daraufhin versucht er mit mir zusammen das Regal abzusuchen und kommentiert mehr oder wenige unsere gemeinsam umherschweifenden Blicke, denn wirklich Ahnung hat er nicht. Nichtsdestotrotz unterhalten wir uns dabei sehr gut (was ein wenig SmallTalk Training nicht alles bewirken kann) … auf der anderen Seite hätte ich aber auch nie gedacht, mich mal während einer gemeinsamen Produktberatung so umfangreich unterhalten zu müssen.
Mittlerweile sind wir zweimal durch das gesamte Sortiment durch und da er mir jetzt jedes Netzteil schon in irgendeiner Art und Weise empfohlen hat, nehme ich einfach den, den er mir zuletzt „empfohlen“ hatte um seine äußerst bemühte Art ausreichend zu würdigen.
Ab hier schlägt die eh schon für mich ungewohnte Konversation eine neue Richtung ein, auf meinen Akzent angesprochen kommen wir von Hölzchen auf Stöckchen und ich erfahre, dass sein Kollege aus dem Soccerteam auch aus Deutschland stand und seine deutschen Sprachskills die Worte „das Leben ist schön“ sind. Daraufhin bringe ich ihm den Satz „Das Leben ist kein Ponyhof“ bei, den er unbedingt beim nächsten Soccer anbringen will.
Ich erzähle ihm, dass ich zurzeit noch im Hotel wohne und demnächst in mein Apartment einziehen werde, worauf noch einmal der Verkäufer in ihm durchkommt und mich herzlichst einlädt, bei ihm noch einmal vorbeizuschauen – er bietet hier die besten AT&T Verträge ein und es muss ich heute schon wissen, AT&T hat sowieso „the highest quality and the lowest prices“ – genau!
Wir verabschieden uns mit einem äußerst freundschaftlichen Handschlag und ich freue mich innerlich, dass ich nun weiß, was genau mit dieser anderen, offenen Art immer gemeint gewesen war!

